Zum Inhalt springen

Spirituelle Gedanken

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitchristen!

„Kerwa“ heißt es in diesen Wochen vielerorts. Ein Blick in die Zeitungen zeigt es: Jedes Wochenende wird mindestens in zwei oder drei Orten in unserer fränkischen Umgebung „Kerwa“ gefeiert.

An der „Kerwa“ ist viel los auf den Dörfern und in den Gemeinden. In den Gasthäusern oder in den Festzelten werden typische Kirchweihspeisen angeboten. Vielerorts herrscht buntes Treiben mit Karussells, Buden und Verkaufsständen.

Stimmungsmusik und örtliches Brauchtum gehören ebenso dazu. Im privaten Bereich geht’s auch rund: Kirchweihküchla werden gebacken und bei vielen Leuten kommt noch traditionell am Kirchweihsonntag die Verwandtschaft zum Essen oder zum Nachmittagskaffee. Alles in allem ein fröhliches Fest im Jahreslauf für jung und alt. Für’s leibliche Wohl und für Unter-haltung ist wie immer bestens gesorgt.

 

Vielerorts gehört zur Kirchweih und zum alljährlichen „Kerwa-Programm“ in der Regel „Gott sei Dank“ auch ein Gottesdienst dazu. „Kerwa“ heißt ja schließlich „Kirchweih“. Aha – also hat das Kerwa-Feiern sogar einen christlichen Hintergrund!

Kirchweih ist die Erinnerung an die Einweihung der örtlichen Kirche oder Kapelle. Es ist sozusagen der Geburtstag des Kirchengebäudes vor Ort.

Dieses Ereignis wird seit alters her jährlich als „Gedenktag“ gefeiert. In mehr oder weniger ferner Vergangenheit war es den Menschen dieses Ortes wichtig, ein Gotteshaus zu bauen, in dem man gemeinsam Gott loben und ihm die Ehre erweisen kann. Somit ist diese Kirche/Kapelle auch ein Haus des Gebetes. Ein heiliger Ort. Ein Heiligtum in dieser Ortschaft.

 

Diese Kirche/Kapelle ist ein Haus Gottes. Hier will Gott unter uns wohnen.

Besonders in der Feier der Eucharistie ist er im Sakrament unter uns gegenwärtig. – Nach vielen Entbehrungen konnten die Leute ihre Kirche/Kapelle in der Mitte ihres Ortes in Gebrauch nehmen und feierten die Einweihung, die Weihe, also die Segenshandlung ihrer Kirche/Kapelle. Und zur Erinnerung an dieses festliche Ereignis jedes Jahr am Jahrestag der Einweihung

als einen festlichen Gedenktag mit vielerlei Brauchtum und bunten Rahmenprogramm.

So ist die „Kerwa“ ursprünglich ein kirchliches Fest! Der Bau dieser Kirche/Kapelle erinnert uns an den Grund, an das Fundament, das solide und stabil sein muss. Sie steht auf einem festen Grund.

Biblisch gesehen ist der Grund „Jesus Christus“. Wir als „Getaufte“ bilden die Gemeinschaft der Kirche, die zu Jesus Christus gehören. Als Christen sollte uns allen bewusst sein, dass Jesus Christus der gute Grund, das Fundament für unser Leben ist, auf dem wir unser Leben aufbauen können. Bleiben wir mit ihm verbunden! – „Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus.“

Auch wenn die Schar derer, die dieses Gebäude nutzen, immer kleiner wird, halten doch viele große Stücke auf ihr liebgewordenes Gotteshaus.

Hier gilt mein Dank an alle Ehrenamtlichen, die für das pfarrliche Leben, die Sauberkeit und den Blumenschmuck und einen geregelten Gottesdienstablauf sorgen!

Wir feiern am Kirchweihsonntag einen festlichen Gottesdienst. Das ist gut so! Damit soll zum Ausdruck kommen, dass Gott an erster Stelle steht, dass er der Grund ist, der uns zusammenkommen lässt. Es heißt im Brief des Apostels Paulus an die christliche Gemeinde in Korinth: „Der Gnade Gottes entsprechend habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut“

(1 Kor 3,10).

 

Es liegt auch an jedem und jeder selber, wie wichtig ihm oder ihr die  christliche Grundlage ist, die durch die Taufe ermöglicht wurde. Der Grund ist gelegt, die Entfaltung und Verwirklichung liegt an jedem selber. So kann man das sinnbildlich von einem Bauwerk auch auf unser „Christsein“ übertragen.

 

Liebe Mitchristen!

Einen besonderen und wichtigen Geburtstag ausgiebig und fröhlich zu feiern, ist völlig in Ordnung, das ist okay! Es ist eine prima Sache, wenn die Menschen zusammenkommen, miteinander feiern, fröhlich sind und eine gute Gemeinschaft bilden. Aber vergessen wir bei all unseren Tun und Feiern das „Geburtstagskind“ nicht, damit es nicht zur Nebensache verommt oder gar vergessen wird! - Eine schöne, fröhliche Kerwa und eine gute Zeit wünscht Ihnen von Herzen

 

Pfarrer Jürgen Dellermann.