Erntedank – Dankbarkeit
Am ersten Sonntag im Oktober feiern wir Christen das Erntedankfest. Der Dank hat eine Zielrichtung. Wir danken Gott für die Ernte des Jahres, die wir einbringen konnten; und wir preisen ihn als den Schöpfer des Lebens.
Auch wenn es regional nicht immer eine optimale Ernte gab, so dürfen wir doch dankbar sein, dass die Erde genügend Frucht trägt, damit wir uns ernähren können. Und wir sollten dankbar sein für alle Landwirte, Bauern und Gärtner, die sich abmühen, damit genügend gesunde Nahrung für uns bereitsteht.
Das Erntedankfest will uns aber auch dazu einladen, die Haltung der Dankbarkeit einzuüben. Wir haben immer einen Grund, für irgendetwas dankbar zu sein. Es gibt immer genügend, wofür wir dankbar sein dürfen:
für die Gesundheit, für den Zusammenhalt in der Familie, für die Freunde, für die Natur, für jede gute Begegnung, für jede Hilfe und Unterstützung,
für ein gutes Gespräch, für ein Lächeln, mit dem uns jemand angestrahlt hat.
Die Dankbarkeit verwandelt unser Gefühl, denn die Dankbarkeit gibt mir das Gefühl von Zufriedenheit und Glück. Man kann auch sagen: Ich bin nicht dankbar, weil ich glücklich bin, sondern ich bin glücklich, weil ich dankbar bin.
Es wäre eine schöne Art und Weise, dass ich jemanden sage, wofür ich ihm danken möchte: der Mann seiner Frau, die Frau ihrem Mann, die Eltern den Kindern, die Kinder den Eltern; dem Freund, der Freundin, dem Nachbarn, der Verkäuferin, dem Arbeitskollegen, der Erzieherin oder Lehrerin …
Konflikte, Meinungsverschiedenheiten, Rechthaberei und Egoismus ver-lieren dann an Bedeutung. Wir spüren, dass die Dankbarkeit uns verbindet: Es ist schön, in dieser Familie zu leben; es tut gut, dass du für mich da bist; ich bin froh, dass du mir hilfst und zu mir stehst …
Ich wünsche Ihnen ein schönes und gesegnetes Erntedankfest; eine Haltung der Dankbarkeit, aber auch den Mut, einander zu danken und sich bewusst Menschen auszusuchen, denen Sie einmal Danke sagen möchten.
Gez. Pfarrer Jürgen Dellermann
Dank-Gebet
Gott,
ich danke dir für mein ganzes Leben,
für Licht und Schatten, für die Freude und das Leid,
denn ich brauche alles.
Danke für den Sonnenschein, aber auch für den Regen.
Die Sonne erwärmt mich,
der Regen erfrischt mich.
Danke für das Lob,
aber auch danke für den Tadel.
Das Lob bestärkt mich,
und der Tadel berichtigt mich.
Danke für den Freund / die Freundin,
aber auch für den Feind.
Der Freund / die Freundin übt Nachsicht gegen mich,
und der Feind erfordert sie von mir.
Danke für die Gesundheit,
aber auch für die Krankheit.
Die Gesundheit schafft mir Möglichkeiten,
und die Krankheit setzt mir Grenzen.
Danke für die Gemeinschaft,
aber auch für das Alleinsein.
Die Gemeinschaft schenkt mir Menschen an meine Seite,
und im Alleinsein bist Du an meiner Seite.
In allen Lebenslagen bist du bei mir, Gott,
ich danke dir dafür.
Gez. Jürgen Dellermann