Zum Inhalt springen

Feier des Festes „Maria Schutzfrau Bayerns“ in Seigendorf 2026

1. Mai in Seigendorf
Datum:
Veröffentlicht: 7.5.26
Von:
Sylvia Schmitt
1. Mai in Seigendorf, St. Michael

Feier des Festes „Maria Schutzfrau Bayerns“ in Seigendorf 2026

Bis vor einigen Jahren war üblich, den ersten Mai in Seigendorf mit einer eucharistischen Prozession mit einem Altar zu begehen.  Es wurde aber zunehmend schwieriger, die notwendigen Funktionen (Fahnen-, Himmel-, Laternen-, Lautsprecher- und Kreuzträger, ein Heer an Ministranten mit den verschiedensten Aufgaben wie liturgisch korrekter Weihrauchdienst, Klingeln an den richtigen Stellen, Altardienst) zu besetzen – zu sehr hat sich das dörfliche Leben in den vergangenen Jahrzehnten geändert, um diese ehrwürdige Tradition noch aufrecht erhalten zu können, die Lebenswelt der ortsansässigen Menschen hat sich wie überall sonst auch zu stark gewandelt – was man vielleicht bedauern mag, was aber kaum zu ändern ist. Außerdem sank die Beteiligung an der Prozession sichtlich von Jahr zu Jahr, so dass sich auch deswegen die Sinnfrage stellte.

So entschloss sich die Kirchenverwaltung mit Pfarrer Dellermann an der Spitze vor ein paar Jahren, den ersten Mai anders zu gestalten. Eine modern als „Open-Air-Gottesdienst“ bezeichnete Eucharistiefeier auf dem unteren Dorfplatz ersetzte die Prozession. Um den Aspekt der Verehrung des Allerheiligsten zu bewahren, schloss sich seither eine eucharistische Statio mit anschließendem eucharistischem Segen an. Inkludiert war wie immer auch der traditionelle Wettersegen – trotz des Wandels der Landwirtschaft im Dorf immer noch und gerade heute ein wichtiges Zeichen in Zeiten des Klimawandels, wo der Mensch wieder neu registrieren muss, eben nicht alles einfach so selber in der Hand zu haben und „machen“ zu können – die alte Weisheit „An Gottes Segen ist alles gelegen“ erscheint aktueller denn je. Das Ganze wurde dem liturgischen Kalender der katholischen Kirche in den bayerischen Diözesen entsprechend unter das Leitmotto „Maria Schutzfrau Bayerns“ gestellt, da der Mai als Frühlingsmonat aufbrechenden Lebens in der Natur im Glaubensleben traditionell besonders der Gottesmutter gewidmet ist, die dem Gottessohn Jesus Christus das Leben schenkte.

Dass dieses Konzept aufgeht, zeigte nicht zuletzt der vergangene erste Mai 2026. Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich etwa 80 Gottesdienstbesucher um 9.30 Uhr auf dem unteren Dorfplatz um das Dorfkreuz und den als Altar festlich geschmückten Gedenkstein der Dorferneuerung. Pfarrer Dellermann zelebrierte den Gottesdienst und stellte in der Predigt „Maria vom guten Rat“ heraus, die mit ihrem klugen Impuls in der Begebenheit der Hochzeit von Kana „Was er – Christus – euch sagt, das tut“ auch heute noch Hilfestellung für ein gelungenes christliches Leben geben könne. Die Fahnenabordnungen von Freiwilliger Feuerwehr und Obst- und Gartenbauverein standen Spalier. Einmal mehr sorgte die Blaskapelle unter Leitung von Edmund Hofmann, Friesen, für die gelungene musikalische Begleitung von Gottesdienst und anschließender eucharistischer Andacht. Der sakramentale Wettersegen beschloss die kirchlichen Feierlichkeiten, an die sich als weltliches Vergnügen das traditionelle Beisammensein zum Frühschoppen bzw. Kaffee und Kuchen – wiederum unter den nun weltlichen Klängen der Blaskapelle – anschloss.

Insgesamt darf wohl nach mehrjähriger Erfahrung von einem erfolgreichen Versuch gesprochen werden, alte Bräuche nicht einfach gleich ganz aufzugeben, wenn sie in der hergebrachten Form nicht mehr durchführbar sind, sondern sie durch behutsame Anpassung an die Gegebenheiten modernen Lebens umzugestalten und damit zukunftsfähig zu machen. Die Akzeptanz durch die Gemeinde zeigt, dass der Weg bislang richtig war.

gez. Wolfram Degen